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Aktuelle Ausstellung | Made in Germany

Arbeiten aus drei Werkstätten – Arbeiten einer Generation – Arbeiten von Heidi Kippenberg (*1941), Barbara Stehr (*1936) und Hans (1935-2021) & Renate (*1937) Heckmann –  alle vielfach ausgezeichnet, Vertreter jener ungeziert starken Keramik, wie sie, neben kunsthandwerklich Zierlichem typisch für die Studiokeramik im Deutschland der 1960er, -70er und -80er Jahre des 20. Jahrhunderts geworden ist – ein Fest keramischer Materie.

Obwohl einer Generation kommen sie aus verschiedenen Schulen, von daher, früh zumindest, die Prägung ihrer Formen – Keramik wird, mehr noch als den Augen, in Hände gelehrt. Heidi Kippenberg kam aus der Klasse Walter Popps der Kunsthochschule Kassel, wo sie ungeahnte Freiheiten gedrehter und montierter Formen und eine vom Informel inspirierte Glasurmalerei kennengelernt hatte. Später löste sie sich aus des Lehrers einst provozierender Gefäßästhetik, gelangte zu modelliert-gebauten, reliefierten Blockgefäßen. Barbara Stehr kam aus der Klasse Jan Bontjes van Beeks an der Hamburger Hochschule, dessen formbetont streng gedrehte, subtil einfache Gefäßkeramik sie sich, weich schwellender, weniger scharf gegliedert in der Silhouette, anverwandelte. Auch sie entwickelte modellierte Gefäßplastiken, baute abgeflachte, organisch-kantenlose Kastenformen, auf denen opak geschichtete Glasuren wie matter Zuckerguß verschmelzen, verselbständigt als gestisch gelenkte, geschüttet-getropfte Malerei auf Wandtellern und Keraion-Platten. Hans und Renate Heckmann kamen aus der Handwerksklasse Hubert Griemerts an der Fachschule in Höhr und stellten in ihrer Werkstatt in Schwäbisch Hall immer auch Geschirr in Serie her. Doch auf gedrehten Unikaten lief in erstarrenden Tropfen dick aufgetragene Glasurmaterie. Vor allem Renate Heckmann überstieg mit frei und grob modellierten asymmetrischen Gefäßen aus stark schamottiertem Ton Hergebrachtes: Wie mit farbigen Soßen übergossen wird hier keramische Materie in Rohheit zelebriert.

Walter Lokau, Januar 2022