Zum Inhalt springen

Aktuelle Ausstellung – Wietske van Leeuwen

Aktuelle Ausstellung

Wietske van Leeuwen


Collagen und Assemblagen

Wer kennt sie nicht, die Gemälde des Mailänder Renaissancemalers Giuseppe Archimboldo (ca. 1527 – 11. Juli 1595). Es sind spektakuläre Porträts – Frontalansichten und Bildnisse im Profil –, die Stück für Stück als Collagen aus Gemüse, Getreide, Obst, Fischen, Büchern oder Körben zusammengesetzt sind. Sein exzentrisches und humorvolles Werk war an Fürsten- und sogar Kaiserhöfen sehr geschätzt. Die Gemälde hielten Einzug in die Kunst- und Wunderkammer, wo sie eine willkommene Ergänzung zur vorhandenen Sammlung von Naturalia darstellten. Naturprodukte unterlagen der Verwesung, konnten jedoch in gemalter Form im Überblick der weltlichen Güter archiviert werden.

Jahrhundertelang verschwand die Collage aus dem Blickfeld, bis Dadaisten und Surrealisten wie Max Ernst (1898 – 1976) und René Magritte (1898 – 1967) dem Genre neues Leben einhauchten. Ernst verwendete seine Collagen unter anderem für Loplop, sein Alter Ego in Gestalt eines Vogels mit menschlichen Füßen. Magritte hat in zahlreichen Arbeiten auf Papier ausgeschnittene Druckerzeugnisse eingesetzt. Das Werk der Surrealisten hat eine ganze Bewegung in der jüngeren Kunstgeschichte ausgelöst, durch die aus der Collage ein selbstständiges Medium geworden ist.

 

Wietske van Leeuwen (1965) schafft bereits seit Jahren keramische, dreidimensionale Collagen oder auch Assemblagen. Sie steht in der Tradition von Künstlern, die Collagen anfertigten, wie etwa der Renaissancemaler Giuseppe Archimboldo, aber auch die Surrealisten Max Ernst und René Magritte. Formloser Ton interessiert sie nicht. Sie muss zunächst Gegenstände, Pflanzen und Früchte darin abformen, bevor sie zu Werke geht. Unter anderem verarbeitet sie Stile von Römergläsern, Muscheln, Zitronen und Paprikas, aber auch aufgerolltes Tauwerk und die Stile von Unkraut wie etwa Bärenklau. Die Objekte, die vor- und übereinander gestapelt werden, sind durchweg Schalen und Gefäße mit Deckeln. dadurch ist sie eine klassische Keramistin mit einem vollkommen eigenen Stil. Bei ihren Stücken handelt es sich um Prunkobjekte, Tischschmuck, die wie Konversationsstücke funktionieren.

Thimo te Duits